Claude Design: Eigenes Brand-Design-System aufsetzen
In Übung 1 und 2 wurde mit dem Skill "Frontend design" gearbeitet, also Aesthetic-Direction, wenn kein System vorhanden ist. Das funktioniert für Test-Projekte. Für echte Kundenprojekte, dein eigenes Branding oder wiederkehrende Workflows wird es generisch. Diese Übung ändert das: du legst einmalig ein System an, das jedes spätere Projekt automatisch on-brand macht.
Teil 3 von 5. Lies zuerst Übung 1 und Übung 2 wenn du neu bei Claude Design bist.
Warum jetzt der richtige Zeitpunkt ist
Der einmalige Aufwand zahlt sich aus:
- 45–75 Minuten Setup (inklusive Asset-Vorbereitung)
- Jedes zukünftige Projekt verwendet automatisch deine Farben, Typografie und Komponenten
- Konsistenz über alle Outputs: Landing Page, Pitch Deck und Mobile-Mockup wirken wie aus einer Hand
Das Design System ist der einzige wirkliche Qualitätshebel im gesamten Tool. Ohne System: solide, aber generisch. Mit System: sofort wiedererkennbar.
Was du vorab brauchst
Sammel diese Assets bevor du den Setup-Dialog öffnest:
Minimum (Pflicht)
- Markenname + 1-Satz-Beschreibung mit Touchpoints (Website? App? Verpackung?)
- Mindestens 2 Logo-Varianten als PNG oder SVG (hell- und dunkelhintergrundtauglich)
- Farbpalette: 3–5 Farben mit Hex-Codes (Primary, Accent, Neutrals)
- Schriftarten: mindestens eine, idealerweise Display + Body, als
.woff2oder.otf
Empfohlen
- Voice & Tone Statement: 2–3 Sätze über die Markenstimme
- Anti-Patterns: was die Marke nicht macht (mindestens 3 konkrete Beispiele)
- Eine bestehende Live-Site oder ein Figma-File als Referenz für Komponenten-Stil
Optional (Power-User)
- GitHub-Repo der bestehenden Produkte (oder frontend-fokussierter Subfolder)
- Lokaler Code-Ordner mit Komponenten-Beispielen
.fig-Datei mit Design-Tokens und Komponenten- Foto- oder Illustrations-Library als Bildsprache-Referenz
Wenn du viele unstrukturierte Brand-Files hast: Lade sie erst in einen normalen Claude.ai-Chat und lass Claude ein konsolidiertes
DESIGN.mdgenerieren. Das nutzt du dann im Setup-Dialog im "Any other notes"-Feld. Assets (Logos, Fonts) hängst du trotzdem direkt an.
Schritt-für-Schritt Workflow
Schritt 1: Design-Systems-Bereich öffnen
- Geh auf claude.ai/design
- Oben rechts: Tab "Design systems"
- Du siehst deine bestehenden Systeme (anfangs leer) und "Create new design system"
Hinweis im UI: "Only you can view these settings": Design Systems sind privat per User (bei Team/Enterprise per Organisation).
Schritt 2: "Create new design system" anklicken
Es öffnet sich der Setup-Dialog mit der Überschrift "Set up your design system" und sechs Eingabe-Feldern.
Schritt 3: Feld 1, Company name and blurb (Pflichtfeld)
Format: [Name]: [Beschreibung mit allen Touchpoints]
Der Platzhalter zeigt, wie es gemeint ist:
e.g. Mission Impastabowl: fast-casual pasta restaurant with in-store
touchscreen kiosk, mobile app and website
Beispiel für Bergwerk Coffee:
Bergwerk Coffee: Salzburg-based specialty coffee roastery with weekly
bean subscription for Austrian cafés, restaurants and hotels.
Touchpoints: marketing website, B2B customer portal,
packaging labels, email newsletters, occasional pitch decks.
Touchpoints konkret benennen: "Website" ist zu vage. "Marketing website + B2B customer portal + packaging labels" hilft Claude, den richtigen Scope zu verstehen: welche Layouts und Komponenten gebraucht werden.
Schritt 4: Felder 2–5, die Quellen (alle optional, aber empfohlen)
Slot A: Link code on GitHub
Für öffentliche Repos oder Component-Libraries. Aus dem UI:
"This doesn't upload the whole codebase; Claude will copy selected files. For large codebases, we recommend attaching a frontend-focused subfolder."
Bei großen Repos: Subfolder anhängen (z.B. apps/marketing oder packages/ui), nicht das gesamte Monorepo.
Slot B: Link code from your computer
Für lokalen Code, der nicht im öffentlichen Repo liegt. Erstell dir einen extra Ordner mit nur den relevanten Frontend-Komponenten und Style-Files.
Slot C: Upload a .fig file
Das Figma-File wird ausschließlich lokal in deinem Browser geparst, nicht an Anthropic-Server hochgeladen. Privacy-Vorteil gegenüber vielen anderen Design-Tools.
Wenn dein Figma-File viele Pages hat (30+ Mockups): Erstell vorher eine vereinfachte Version mit nur Tokens und Core-Components.
Slot D: Add fonts, logos and assets
Was hier reingehört:
- Logo-Varianten (mindestens 2: hell/dunkel), SVG bevorzugt
- Schriftarten (Display + Body als
.woff2) - 5–10 repräsentative Fotos oder Illustrations-Beispiele
- Brand-Guidelines-PDF falls vorhanden
Schritt 5: Feld 6, "Any other notes?" (der wichtigste Hebel)
Ein großes Textfeld mit Platzhalter:
e.g. We use a warm, earthy color palette with rounded corners.
Our brand voice is playful but professional...
Warum dieses Feld entscheidend ist: Hier gibst du Claude den Charakter der Marke mit. Logos und Fonts sind Mechanik. Wer die Marke ist, steht hier.
Die drei Säulen einer guten Notes-Eingabe
1. Visual Direction, die ästhetische Sprache in Worten:
Visual: Editorial design language — like a high-quality lifestyle
magazine. Warm cream backgrounds (#F5EFE6) with deep navy ink
(#1A2238). Terracotta (#C2542D) as accent, used sparingly.
Serif headlines (Fraunces, italic for emphasis). Clean sans-serif
body (IBM Plex Sans). Generous whitespace. Asymmetric layouts
with intentional empty space.
2. Voice & Tone, wie die Marke spricht:
Voice: Direct, craft-oriented, no marketing speak. Short declarative
statements. German-language native, never translated from English.
Confident without arrogance. Specific over vague — "freshly roasted
on Monday, delivered Thursday" instead of "the freshest beans".
3. Anti-Patterns, was die Marke nicht macht (mindestens 5, konkret):
Anti-patterns:
- No stock photography ever
- No corporate blue or generic gradients
- No glassmorphism or neumorphism
- No exclamation marks in copy
- No buzzwords: "leidenschaftlich", "premium", "innovativ"
- No carousel sliders
- No headlines wrapping to 4+ lines
Warum Anti-Patterns so wichtig sind: Eine "tu das"-Liste schließt nicht aus, dass Claude trotzdem in Klischee-Fallen tappt. Eine "tu das NICHT"-Liste schließt diese Wege explizit aus. Output-Qualität verbessert sich um schätzungsweise 30% wenn du Anti-Patterns sauber definierst.
Schritt 6: "Continue to generation →" klicken
Klick oben rechts auf den Button. Jetzt wartest du 5 Minuten, Tab offen lassen.
Claude produziert in dieser Zeit:
- Logo-System: aus deinen Assets rekonstruiert oder inferiert (transparent als "inference, not vendor asset" markiert)
- Type-Stack und Farbpalette: extrahiert aus deinen Eingaben
- Komponenten-Bibliothek: Buttons, Cards, Nav, Formulare etc.
- UI-Kits für jeden deiner Touchpoints
Schritt 7: Review draft, strukturiert prüfen
Nach der Generation landest du im "Review draft"-Modus. Du bewertest jedes Element:
- "Looks good": übernehmen
- "Needs work": Freitextfeld öffnet sich, dort spezifisch formulieren, keine Adjektive
Effiziente Review-Reihenfolge: Brand-Assets → Colors → Typography → Components → Spacing
Was im Freitextfeld funktioniert:
✓ "Reduce the primary weight from 700 to 600 — too heavy for body text"
✓ "The cream background is slightly too warm — shift from #F5EFE6 to #F2EDDE"
✗ "Sieht zu dunkel aus" — zu vage
✗ "Schöner machen" — kein verwertbarer Input
Schritt 8: Die Caveats-Section lesen
Am Ende des Chat-Protokolls zeigt Claude transparent, was er rekonstruiert hat und was du noch ersetzen musst:
Caveats:
- Logo reconstruction: inferred from uploaded assets —
replace with master SVG before production use
- Fraunces font: loaded via Google Fonts CDN in system;
confirm license for commercial use in your brand assets
- Product photography: placeholders inferred from brief —
no actual Bergwerk photos uploaded
Diese Liste ist deine Handlungsliste vor dem ersten echten Projekt-Einsatz, kein Anhang.
Schritt 9: Veröffentlichen
Wenn der Review-Modus abgeschlossen ist: "Publish"-Button.
Das System erscheint ab jetzt als Dropdown-Option beim Anlegen jedes neuen Projekts. Alle zukünftigen Outputs (Landing Pages, Decks, Videos, Mobile Mockups) werden automatisch on-brand.
Wann mehrere Design Systems anlegen?
Als Freelancer oder Agentur: Pro Kunde ein eigenes System. Beim Projekt-Anlegen wählst du das passende aus dem Dropdown.
Bei Sub-Brands oder Produktlinien: Wenn eine Marke deutlich unterschiedliche Touchpoints hat (z.B. Konsumgüter vs. Enterprise-SaaS), lohnen sich separate Systeme.
Iteration statt Perfektion: Bau das System einmal sauber auf, nutze es in 2–3 Projekten, verfeinere dann. Die fehlenden Stücke erkennst du erst beim Arbeiten.
Quellen
Vom Autor
Diese Anleitungen entstehen aus meiner täglichen Arbeit: Ich baue und betreue Shops als WooCommerce- & WordPress-Entwickler und entwickle blitzschnelle Storefronts mit Headless WooCommerce. Wenn dein Shop Tempo oder Funktionen braucht, melde dich.
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