Zum Blog
19. April 2026·12 Min. Lesezeit

Hetzner vs AWS vs Netcup: Hosting-Vergleich für österreichische KMU

Drei Hoster, drei Welten. Hetzner, AWS und Netcup sind die häufigsten Kandidaten, die mir Kunden vor die Wahl legen. Nach 5 Jahren Produktion auf allen drei habe ich eine klare Meinung — aber auch die ist abhängig vom Use-Case.

Die drei im Schnellüberblick

Hetzner: Deutsches Unternehmen seit 1997, Rechenzentren in Nürnberg, Falkenstein, Helsinki. Preis-Leistungs-Verhältnis kaum zu schlagen. AWS: Amazon-Cloud, global verfügbar, unübertroffen im Service-Katalog, aber teuer. Netcup: Deutscher Hoster aus Karlsruhe, günstig, solide Hardware, kleineres Service-Angebot.

Preisvergleich: Gleiche Hardware, dreimal anders

Ich nehme ein realistisches Setup als Beispiel: 3 vCPU, 4 GB RAM, 80 GB SSD, 10 TB Traffic.

  • Hetzner CPX22: €6,19/Monat (Dedicated CPU AMD EPYC, 160 GB SSD, 20 TB Traffic)
  • Netcup RS 1000: €4,51/Monat (2 vCPU, 4 GB, 256 GB SSD, unlimited Traffic — gelegentlich gedrosselt)
  • AWS t3.medium + 80 GB gp3 + 10 TB Egress: ca. €75–90/Monat (je nach Region und Traffic-Muster)

Das ist ein Faktor 15-20 zwischen Netcup und AWS. Bei einer Staging-Umgebung, die 24/7 läuft, macht das über 3 Jahre den Unterschied zwischen €160 und €3.200.

Hetzner: Der goldene Standard für KMU

Hetzner Cloud ist seit 2017 mein Standard. Die Server sind solide, das Interface aufgeräumt, die API ausgereift, und die Hardware (dedizierte AMD EPYC-Kerne) extrem schnell. Ich betreibe auf einem CPX22 meine komplette SaaS-Landschaft, diese Website, mehrere Kunden-Shops — alles gleichzeitig, ohne Probleme.

Besonders stark: der Support ist deutschsprachig, schnell, kompetent. Downtime in 5 Jahren: unter 1 Stunde. DSGVO-Compliance ist out of the box — Auftragsverarbeitungsvertrag per Klick.

AWS: Wenn man es wirklich braucht

AWS macht Sinn, wenn man Services braucht, die man nicht selbst betreiben will: Managed PostgreSQL mit Multi-AZ-Replikation, Lambda für event-getriebene Workloads, S3 mit 99,9999999% Durability. Und bei globaler Reichweite (CloudFront mit 400+ Edge-Locations) schlägt AWS jeden europäischen Anbieter.

Für 95% der KMU-Projekte ist das aber Overkill. Ein PostgreSQL-Server auf Hetzner mit täglichem Backup kostet €15/Monat. RDS mit Multi-AZ beginnt bei €100/Monat.

Netcup: Der günstige Allrounder

Netcup ist der Preis-Champion. Root-Server ab €3,25/Monat, richtig gute Hardware, aber Support und Interface sind rauer. Gut für Side-Projects, Staging, Backup-Server. Für Produktion mit hohem SLA-Anspruch würde ich Hetzner vorziehen — Downtimes kommen bei Netcup häufiger vor (wenn auch selten gravierend).

Performance in der Praxis

Latenz aus Österreich zu den Rechenzentren (ping, gemessen aus Niederösterreich):

  • Hetzner Nürnberg: 12–18ms
  • Hetzner Helsinki: 35–45ms
  • Netcup Karlsruhe: 18–25ms
  • AWS Frankfurt: 15–22ms

Für Nutzer aus DACH spielt es praktisch keine Rolle, welchen der drei man wählt. Der Unterschied von 5ms ist wahrnehmbar in Benchmarks, nicht im Nutzererlebnis.

DSGVO und Data-Sovereignty

Hetzner und Netcup sind deutsche Unternehmen mit Servern in der EU — DSGVO-sauber, kein CLOUD-Act-Thema. AWS hat EU-Regionen, aber bleibt ein US-Unternehmen; für sensible Daten (Patienten, Personal-Informationen, kritische Infrastruktur) ist das ein rechtliches Risiko. Das ist der Haupt-Grund, warum ich mich nur noch selten für AWS entscheide.

Migrations-Realität

Wechsel zwischen Hetzner und Netcup: ein Nachmittag (Linux-Server sind Linux-Server). Wechsel von AWS weg: mehrere Monate, weil man sich oft tief in proprietäre Services eingelebt hat (SQS, Cognito, DynamoDB, Lambda). Das ist AWS' eigentliche Stärke — und Schwäche. Wer Vendor Lock-In vermeiden will, bleibt bei Standard-Linux.

Mein Fazit nach 5 Jahren

Hetzner: für 80% der Projekte die beste Wahl. Preis-Leistung, Performance, DSGVO — unschlagbar.

Netcup: für Side-Projects, Staging, preissensitive Setups.

AWS: wenn globaler Traffic wichtig ist oder spezifische Services (SageMaker, EventBridge, Rekognition) einen echten Vorteil bringen.

Kein Hoster ist für alle Fälle richtig. Aber für österreichische KMU spart der Wechsel von AWS zu Hetzner typischerweise €60–80/Monat pro Server — bei gleicher oder besserer Performance.

Fragen oder Feedback? office@markusstoeger.com