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19. April 2026·12 Min. Lesezeit

Hetzner vs AWS vs Netcup: Hosting-Vergleich für österreichische KMU

Drei Hoster, drei Welten. Hetzner, AWS und Netcup sind die häufigsten Kandidaten für KMU-Hosting im DACH-Raum. Die Preis- und Leistungsunterschiede sind größer, als viele vermuten — dieser Vergleich basiert auf den öffentlich einsehbaren Angeboten (Stand April 2026).

Die drei im Schnellüberblick

Hetzner: Deutsches Unternehmen seit 1997, Rechenzentren in Nürnberg, Falkenstein, Helsinki, Ashburn und Hillsboro. Preis-Leistungs-Verhältnis gilt als Benchmark. AWS: Amazon-Cloud, weltweit verfügbar, größter Service-Katalog am Markt, aber deutlich teurer. Netcup: Deutscher Hoster aus Karlsruhe mit Rechenzentren in Nürnberg und Wien, sehr günstig, solide Hardware, kleineres Service-Angebot.

Preisvergleich: Einsteigerplan pro Anbieter

Als Referenz nehme ich die kleinste Produktions-taugliche Instanz jedes Anbieters (2–4 vCPU, 4–8 GB RAM). Preise laut offizieller Preisliste im April 2026:

  • Hetzner Cloud CPX22: 2 vCPU (Shared AMD EPYC), 4 GB RAM, 80 GB NVMe SSD, 20 TB Traffic inklusive — €7,99/Monat (Netto, Preisobergrenze bei stundenweiser Abrechnung).
  • Netcup Root-Server RS 1000 G12: 4 dedizierte Kerne (AMD EPYC 9645), 8 GB DDR5 ECC RAM, 256 GB NVMe SSD, unlimitiertes Traffic-Kontingent — ab €8,74/Monat (12-Monats-Vertrag, inkl. USt).
  • AWS EC2 t3.medium (Frankfurt): 2 vCPU (burstable), 4 GB RAM — Compute $0,0447/Stunde (≈ $32,63/Monat bei 730h) + EBS gp3 80 GB (≈ €7,51/Monat bei €0,09394/GB). Gesamt ca. €35–40/Monat ohne Egress-Kosten.

Achtung bei AWS-Datentransfer: Nach dem Freikontingent von 100 GB/Monat kostet ausgehender Traffic $0,09/GB. Bei 1 TB Egress sind das zusätzlich rund $84/Monat, bei 10 TB bereits ~$891/Monat. Hetzner enthält bei CPX22 20 TB Traffic, bei Netcup ist Traffic laut Anbieter unbegrenzt (Fair-Use-Klausel).

Hetzner: Starkes Gesamtpaket für KMU

Hetzner Cloud nutzt bei den CPX-Plänen AMD EPYC (Genoa) Prozessoren auf geteilten vCPUs, mit NVMe-Speicher und einer ausgereiften REST-API. Das Interface ist klar strukturiert, der Support deutschsprachig. DSGVO-Auftragsverarbeitungsvertrag ist im Kundenportal hinterlegt und mit einem Klick abrufbar.

Sinnvoll für klassische Web-Workloads: Webseiten, Shops, APIs, kleinere Datenbanken, Container-Setups mit Docker oder k3s. Upgrades auf größere Pläne sind per Reboot möglich, Snapshots und Backups kostenpflichtig dazubuchbar.

AWS: Wenn man den Service-Katalog wirklich braucht

AWS spielt seine Stärken aus, wenn man Managed Services braucht, die man nicht selbst betreiben will: RDS für Managed Datenbanken (u.a. Multi-AZ), Lambda für event-getriebene Workloads, S3 mit dokumentierter 11-9s-Durability (99,999999999%). Die Edge-Reichweite via CloudFront ist global unschlagbar.

Die Kehrseite: Kosten skalieren nicht-linear. Besonders Egress-Traffic, NAT-Gateway-Stunden und Managed-Database-Instances können ein Projekt schnell verteuern. Für reine Website-/Shop-Workloads ist AWS in der Regel teurer als Hetzner — ohne dass der SME tatsächlich von den Zusatz-Services profitiert.

Netcup: Der Preis-Leistungs-Spezialist

Netcup bietet Root-Server mit vergleichsweise viel Hardware pro Euro: Der RS 1000 G12 liefert dedizierte CPU-Kerne (AMD EPYC 9645), DDR5-ECC-RAM und NVMe-Speicher — Spezifikationen, die bei Hetzner erst in höheren Plänen verfügbar sind. Standorte Nürnberg und Wien sind für DACH-Projekte ideal.

Einschränkungen: Das Kundenportal wirkt älter als das von Hetzner, die API ist weniger komfortabel, und die meisten Produkt-Tarife laufen über 12-Monats-Verträge. Für Kurzzeit-Workloads oder dynamische Skalierung ist Hetzners stundenweise Abrechnung flexibler.

Performance und Standorte

Für Nutzer im DACH-Raum sind alle drei Anbieter mit europäischen Rechenzentren latenzoptimal (Nürnberg, Falkenstein, Wien, Frankfurt liegen jeweils innerhalb von ~20 ms Round-Trip). Reale Latenz hängt stärker von Internet-Provider und Peering ab als vom Hoster selbst.

DSGVO und Data-Sovereignty

Hetzner und Netcup sind deutsche Unternehmen mit EU-Rechenzentren — DSGVO-Auftrags­verarbeitung ist Standard, kein CLOUD-Act-Bezug. AWS bietet zwar EU-Regionen (Frankfurt, Dublin, Stockholm, Mailand, Paris, Zürich), bleibt aber ein US-Konzern. Für sensible Datenkategorien (Gesundheits-, Personal- oder Finanzdaten) empfiehlt sich daher eine explizite rechtliche Prüfung — besonders seit den Schrems-Urteilen und dem aktuellen EU-US Data Privacy Framework.

Migration und Vendor Lock-In

Zwischen Hetzner und Netcup lässt sich ein klassischer Linux-Stack (Nginx, PostgreSQL, Node.js, Docker) üblicherweise in Stunden umziehen. Bei AWS hängt die Migrationsdauer stark davon ab, wie tief man in proprietäre Services eingetaucht ist: SQS, DynamoDB, Cognito und Lambda bedeuten teilweise mehrmonatige Umstellungsprojekte. Wer Lock-In vermeiden will, bleibt bei Standard-Linux-Services.

Empfehlung je nach Use-Case

Hetzner: Standard-Wahl für Webseiten, Shops und APIs im KMU-Bereich. Stundenbasierte Abrechnung, gute API, moderne Hardware.

Netcup: Wenn mehr Hardware pro Euro gefragt ist und ein 12-Monats-Vertrag passt — etwa für langlaufende Datenbank-Server oder Staging-Systeme.

AWS: Wenn konkrete Managed Services benötigt werden (RDS Multi-AZ, Lambda, SageMaker, EventBridge) oder globale Edge-Reichweite zählt.

Kein Hoster passt für jeden Fall. Für klassische KMU-Webprojekte ist der Preisunterschied zwischen europäischen Hostern und AWS aber so groß, dass sich ein genauer Blick in die eigene TCO-Rechnung lohnt.

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